Der Preis einer handgerollten Zigarre erklärt sich nicht über das Material, sondern über die Zeit und die Handarbeit. Zwischen dem Tag, an dem ein Blatt geerntet wird, und dem Tag, an dem die fertige Zigarre verkauft wird, liegen bei den meisten Häusern zwei bis fünf Jahre — und rund zweihundert Arbeitsschritte, von denen die wenigsten maschinell erledigt werden können.
Kurz gefasst
- Ernte
- blattweise, in mehreren Durchgängen
- Trocknung
- 25–50 Tage in der Casa de Tabaco
- Fermentation
- mehrere Durchgänge über Monate
- Bis zum Verkauf
- 2–5 Jahre
Ernte
Tabak wird nicht als Pflanze geerntet, sondern blattweise und von unten nach oben. Die unteren Blätter reifen zuerst; zwischen dem ersten und dem letzten Durchgang liegen mehrere Wochen. Jede Zone — Volado, Seco, Ligero — wird getrennt gehalten, weil sie später unterschiedliche Aufgaben in der Mischung erfüllt.
Deckblatttabak wird häufig unter Schattennetzen gezogen. Weniger direkte Sonne bedeutet dünnere Blätter mit feinerer Aderung und milderem Geschmack — genau die Eigenschaften, die eine gute Hülle braucht.
Trocknung
In der Trockenscheune, der Casa de Tabaco, werden die Blätter paarweise über Stangen gehängt. Über 25 bis 50 Tage wechselt die Farbe von Grün über Gelb zu Braun: Das Chlorophyll baut sich ab, der Wassergehalt sinkt von über 80 auf etwa 25 Prozent.
Gesteuert wird über Türen und Luken. Zu schnelle Trocknung fixiert grüne Töne und macht die Blätter brüchig, zu langsame begünstigt Fäulnis. Es gibt in diesem Schritt keine Abkürzung — die Zeit ist der Prozess.
Fermentation
Die getrockneten Blätter werden zu Stapeln von bis zu zwei Metern Höhe aufgeschichtet, den pilones. Durch das Eigengewicht und die Restfeuchte setzt eine biochemische Reaktion ein, bei der die Temperatur im Inneren auf 40 bis 50 °C steigt.
Dabei werden Ammoniak, Nikotin in Teilen und andere scharfe Verbindungen abgebaut. Der Stapel wird mehrfach umgeschichtet, damit jedes Blatt einmal innen und einmal außen liegt. Je nach Blatttyp durchläuft der Tabak zwei bis vier solcher Durchgänge über mehrere Monate. Ohne Fermentation wäre auch sorgfältig angebauter Tabak scharf und kratzig.
Reifung und Mischung
Nach der Fermentation ruht der Tabak in Ballen — je nach Haus zwischen einem und mehreren Jahren. Erst danach stellt der ligador, der Mischungsmeister, die Rezeptur zusammen: welche Blätter aus welcher Zone, welchem Jahrgang und welcher Finca in welchem Verhältnis.
Diese Mischung ist das, was eine Marke über Jahre wiedererkennbar macht. Weil Tabak ein Naturprodukt mit schwankenden Jahrgängen ist, besteht die eigentliche Leistung darin, ein konstantes Ergebnis aus wechselnden Zutaten herzustellen.
Rollen
Gerollt wird traditionell im Zweierteam. Der bunchero legt die Einlageblätter in der vorgegebenen Reihenfolge auf und wickelt sie in das Umblatt; das Ergebnis wandert in eine Holzform und wird gepresst.
Der rolero schneidet anschließend das Deckblatt mit der chaveta, einem halbmondförmigen Messer, spiralförmig zu und legt es unter Zug um den Strang. Zum Abschluss wird der Kopf mit einer kleinen, aus Deckblattresten geschnittenen Kappe verschlossen — mit Pflanzenkleber, nie mit synthetischem Leim.
Ein geübtes Team fertigt je nach Format 100 bis 200 Zigarren am Tag. Anspruchsvolle figurados oder Lanceros liegen deutlich darunter, was sich unmittelbar im Preis niederschlägt.
Prüfung, Sortierung, Nachreifung
Jede Zigarre wird gewogen, gemessen und auf Zugwiderstand geprüft. Abweichungen führen zum Aussortieren. Anschließend werden die Zigarren nach Deckblattfarbe sortiert — bis zu mehreren Dutzend Nuancen, damit eine Kiste einheitlich wirkt.
Vor dem Verkauf ruhen die fertigen Zigarren in Zedernholzräumen, damit sich die Aromen der Lagen verbinden und die Restfeuchte aus dem Rollvorgang ausgleicht. Diese letzte Reifung dauert je nach Haus einige Wochen bis mehrere Monate.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis eine Zigarre verkauft werden kann?
Zwischen Ernte und Verkauf liegen je nach Haus zwei bis fünf Jahre.
Was macht ein bunchero?
Er legt die Einlage in der vorgegebenen Reihenfolge auf und wickelt sie in das Umblatt. Das Deckblatt legt anschließend der rolero an.
Warum wird Tabak fermentiert?
Die Fermentation baut Ammoniak und andere scharfe Verbindungen ab. Ohne sie wäre auch guter Tabak kratzig im Geschmack.