Frisch getrockneter Tabak ist ungenießbar: scharf, ammoniakalisch und kratzig. Was ihn in ein Genussmittel verwandelt, ist ein kontrollierter mikrobieller Prozess, den die Branche Fermentation nennt. Er ist der Schritt, der über die Qualität einer Zigarre am stärksten entscheidet — und derjenige, der sich am wenigsten beschleunigen lässt.
Kurz gefasst
- Kerntemperatur
- 40–50 °C
- Durchgänge
- 2–4 je nach Blatttyp
- Dauer
- Wochen bis Monate
- Abgebaut werden
- Ammoniak, Nitrate, Nikotinanteile
Was im pilón passiert
Die getrockneten Blätter werden zu Stapeln aufgeschichtet — den pilones. Eigengewicht und Restfeuchte setzen einen Prozess in Gang, an dem sowohl pflanzeneigene Enzyme als auch Mikroorganismen beteiligt sind. Die Temperatur im Kern steigt selbsttätig.
Der Fermentationsmeister kontrolliert sie mehrmals täglich mit einem langen Thermometer. Erreicht der Stapel den oberen Grenzwert, wird er abgetragen und neu aufgeschichtet, sodass die vormals äußeren Blätter nun innen liegen. Wird zu spät umgeschichtet, „verbrennt“ der Tabak und wird unbrauchbar.
Warum die Temperatur begrenzt wird
Zwischen 40 und 50 °C laufen die erwünschten Reaktionen ab: Ammoniak entweicht, Nitrate werden abgebaut, Stärke wird in Zucker umgewandelt, ein Teil des Nikotins wird zersetzt. Das Ergebnis ist ein milderer, runderer Tabak mit deutlich weniger Schärfe.
Oberhalb dieses Bereichs kippt der Prozess. Es entstehen bittere Verbindungen, die Blattstruktur zerfällt, und der Tabak verliert an Elastizität. Deshalb ist Fermentation kein Vorgang, den man einmal ansetzt und abwartet, sondern einer, der über Wochen täglich beobachtet wird.
Unterschiede nach Blatttyp
Nicht jedes Blatt wird gleich fermentiert. Dünne Volado-Blätter benötigen kürzere und mildere Durchgänge, dicke Ligero-Blätter aus der oberen Pflanzenzone deutlich längere und intensivere.
Deckblatttabak wird besonders schonend behandelt, weil Elastizität und Farbe erhalten bleiben müssen. Maduro-Deckblätter durchlaufen umgekehrt bewusst zusätzliche, längere Durchgänge — daher ihre dunkle Farbe und ihre süßlichen Noten.
Reifung nach der Fermentation
Ist die Fermentation abgeschlossen, wird der Tabak auf eine lagerfähige Feuchte gebracht und in Ballen verpackt, traditionell in Palmblätter oder Jute. In diesen Ballen ruht er zwischen einem und mehreren Jahren.
Während dieser Zeit laufen langsame chemische Ausgleichsvorgänge weiter. Die verbliebenen Kanten glätten sich, die Aromen verbinden sich. Häuser, die mit langer Ballenreifung arbeiten, führen einen erheblichen Teil ihres Kapitals als lagernden Rohstoff — was sich unmittelbar im Preis der fertigen Zigarre niederschlägt.
Reifung im Humidor
Auch die fertige Zigarre entwickelt sich weiter, wenn sie stabil bei 70 Prozent relativer Luftfeuchte und 16 bis 18 °C liegt. Der Effekt ist geringer als bei der Ballenreifung, aber vorhanden: Kräftige Zigarren werden nach ein bis zwei Jahren häufig runder und integrierter.
Eine Garantie ist das nicht. Sehr milde Zigarren mit feinen Aromen können bei langer Lagerung eher verlieren als gewinnen. Wer es ausprobieren will, kauft von einer Kiste zwei Stück, raucht eines sofort und legt das zweite für ein Jahr zurück — das ist der einzige Vergleich, der für den eigenen Geschmack aussagekräftig ist.
Häufige Fragen
Warum ist Fermentation notwendig?
Sie baut Ammoniak, Nitrate und einen Teil des Nikotins ab. Ohne sie wäre Tabak scharf und kratzig.
Wie heiß wird ein Fermentationsstapel?
Im Kern 40 bis 50 °C. Wird der Stapel nicht rechtzeitig umgeschichtet, verbrennt der Tabak.
Werden Zigarren im Humidor besser?
Kräftige Zigarren werden bei stabilem Klima oft runder. Sehr milde Zigarren können dagegen an Aroma verlieren.