Eine Zigarre ist ein Naturprodukt aus getrocknetem und fermentiertem Tabak. Ihr Zustand hängt fast vollständig davon ab, wie viel Wasser sie enthält — und Wasser wandert. Zu trockene Luft entzieht der Zigarre Feuchtigkeit, bis das Deckblatt spröde wird und reißt; zu feuchte Luft lässt sie quellen, erschwert den Zug und begünstigt Schimmel. Lagerung ist deshalb keine Frage der Aufbewahrung, sondern der Klimakontrolle.
Kurz gefasst
- Temperatur
- 16–18 °C
- Relative Luftfeuchte
- 68–72 %
- Kritisch trocken
- unter 65 %
- Kritisch feucht
- über 75 %
Warum die Luftfeuchte der entscheidende Wert ist
Der Tabak einer Zigarre nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf und gibt sie wieder ab, bis ein Gleichgewicht erreicht ist. Dieses Gleichgewicht wird über die relative Luftfeuchte gesteuert. Bei 70 Prozent enthält der Tabak etwa 12 bis 13 Prozent Wasser — den Wert, auf den die Manufaktur die Zigarre eingestellt hat.
Fällt die relative Luftfeuchte deutlich darunter, schrumpfen die Blätter. Weil Deckblatt, Umblatt und Einlage unterschiedlich schnell trocknen, entstehen Spannungen: Das Deckblatt reißt längs, meist am Kopf. Dieser Schaden ist nicht reversibel. Steigt die Feuchte über 75 Prozent, quillt die Einlage, der Zug wird schwer, und auf dem Deckblatt können sich Schimmelnester bilden.
Temperatur: wichtig, aber zweitrangig
Die Temperatur wirkt vor allem indirekt. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen, weshalb ein Temperaturanstieg bei gleichbleibendem Wassergehalt die relative Luftfeuchte senkt. Ein Humidor, der im Winter bei 18 °C stabil auf 70 Prozent steht, kann im Sommer bei 26 °C deutlich darunter liegen.
Ab etwa 24 °C kommt ein zweiter Effekt hinzu: Die Larven des Tabakkäfers, die in nahezu jedem Naturtabak vorkommen können, werden aktiv. Unterhalb von 20 °C bleiben sie es nicht. Das ist der praktische Grund, warum die Empfehlung bei 16 bis 18 °C liegt und nicht bei Raumtemperatur.
Der Humidor und sein Befeuchter
Ein Humidor ist im Kern eine dicht schließende Kiste mit einer Innenauskleidung aus spanischem Zedernholz und einem Befeuchter. Das Zedernholz puffert Feuchtigkeit, verlangsamt Schwankungen und hält Schädlinge fern.
Bei den Befeuchtern haben sich zwei Bauarten durchgesetzt. Schwammbefeuchter mit Polymergranulat sind günstig, verlangen aber regelmäßiges Nachfüllen mit destilliertem Wasser oder Propylenglykol-Lösung. Zwei-Wege-Befeuchter in Beutelform geben nicht nur Feuchtigkeit ab, sondern nehmen sie auch auf, und halten den Wert damit ohne Kalibrierung.
- Nur destilliertes Wasser verwenden — Leitungswasser hinterlässt Kalk und Keime.
- Den Befeuchter nie direkt auf den Zigarren platzieren; tropfende Feuchtigkeit erzeugt Flecken.
- Bei Zwei-Wege-Packs die Prozentangabe der gewünschten Lagerfeuchte wählen, üblicherweise 69 oder 72 Prozent.
Das Hygrometer und warum es kalibriert gehört
Ein Humidor ohne verlässliche Messung ist eine Kiste mit Hoffnung. Analoge Zeigerhygrometer sind ab Werk häufig um fünf bis zehn Prozentpunkte falsch, digitale meist genauer, aber ebenfalls nicht automatisch richtig.
Die übliche Kalibrierung ist der Salztest: Eine kleine Menge Kochsalz wird in einem Flaschendeckel mit wenigen Tropfen Wasser zu einem Brei angerührt und mit dem Hygrometer in einen dicht verschlossenen Beutel gelegt. Nach sechs bis acht Stunden stellt sich über gesättigter Salzlösung exakt 75 Prozent relative Luftfeuchte ein. Die Abweichung des Messgeräts lässt sich dann korrigieren oder als Offset notieren.
Einen neuen Humidor einfahren
Ein fabrikneuer Humidor ist innen staubtrocken. Werden Zigarren sofort eingelegt, entzieht ihnen das Zedernholz Feuchtigkeit, bis es selbst gesättigt ist — genau der Trocknungsschaden, den der Humidor verhindern soll.
Zum Einfahren wird das Innenholz mit einem sauberen, mit destilliertem Wasser leicht angefeuchteten Tuch abgewischt, der gefüllte Befeuchter eingesetzt und der Humidor geschlossen. Je nach Holz und Raumklima dauert es zwei bis vier Wochen, bis sich der Wert stabil bei etwa 70 Prozent hält. Erst dann werden Zigarren eingelegt.
Wenn kein Humidor da ist
Für einige Tage genügt ein wiederverschließbarer Beutel mit einem Zwei-Wege-Befeuchter, gelagert an einem kühlen, dunklen Ort. Das ist keine Dauerlösung, hält den Zustand aber zuverlässig, bis ein Humidor verfügbar ist.
Was ausdrücklich nicht funktioniert: der Kühlschrank. Er ist sehr trocken, nimmt Fremdgerüche auf und gibt sie an den Tabak ab. Ebenso wenig geeignet sind Fensterbank, Heizungsnähe und geschlossene Autos.
Eine ausgetrocknete Zigarre retten
Vollständig zurückholen lässt sich eine ausgetrocknete Zigarre nicht — die flüchtigen Aromen sind mit dem Wasser entwichen. Ist das Deckblatt noch intakt, ist eine langsame Rückbefeuchtung dennoch möglich.
Entscheidend ist das Tempo. Die Zigarre wird zunächst bei etwa 65 Prozent gelagert, dann in Schritten von wenigen Prozentpunkten über mehrere Wochen auf 70 Prozent gebracht. Wer eine trockene Zigarre direkt in einen Humidor auf 72 Prozent legt, erhält Risse: Das Deckblatt nimmt Feuchtigkeit schneller auf als die Einlage und platzt.
Häufige Fragen
Wie feucht muss ein Humidor sein?
Zwischen 68 und 72 Prozent relativer Luftfeuchte, bei einer Temperatur von 16 bis 18 °C.
Wie lange muss ein neuer Humidor einfahren?
Je nach Holz und Raumklima etwa zwei bis vier Wochen, bis sich der Wert stabil hält.
Kann ich Zigarren im Kühlschrank lagern?
Nein. Der Kühlschrank ist sehr trocken und überträgt Fremdgerüche auf den Tabak.
Welches Wasser gehört in den Befeuchter?
Ausschließlich destilliertes Wasser oder eine Propylenglykol-Lösung. Leitungswasser hinterlässt Kalk und begünstigt Keime.