Dass eine Zigarre am Ende kräftiger schmeckt als am Anfang, ist keine Ermüdung des Gaumens. Es ist die vorhersehbare Folge davon, wie ein Longfiller gebaut ist.
Kurz gefasst
- Erstes Drittel
- am mildesten, Deckblatt dominiert
- Zweites Drittel
- ausgewogen, Einlage übernimmt
- Letztes Drittel
- kräftigste Phase, höchste Temperatur
- Hauptursache
- kürzerer Rauchweg, Kondensat im Strang
Der Rauchweg wird kürzer
Am Anfang legt der Rauch die volle Länge der Zigarre zurück, bevor er den Mund erreicht. Auf diesem Weg kühlt er ab, und ein Teil der schwereren Verbindungen kondensiert im Tabak, der noch vor ihm liegt.
Mit jedem Zentimeter, der abbrennt, verkürzt sich dieser Weg. Der Rauch kommt wärmer an, und die zuvor abgelagerten Verbindungen werden nun selbst mitverbrannt. Beides zusammen erklärt den größten Teil des Verlaufs.
Die Einlage ist nicht homogen
Ein Torcedor legt Ligero — das kräftigste Blatt — in die Mitte des Strangs und meist nicht bis ganz an den Fuß, weil Ligero schwerer zündet. Volado und Seco liegen außen und vorn.
Das erste Drittel wird deshalb stärker vom Deck- und Umblatt geprägt, das letzte vom Kern. Wer wissen will, was ein Blend eigentlich kann, beurteilt ihn im zweiten Drittel.
Was in welchem Drittel zu erwarten ist
Der Verlauf ist bei jeder Zigarre anders ausgeprägt, aber die Richtung ist verlässlich.
- Erstes Drittel: hellere Noten, Heu, Zeder, Nuss; die Stärke ist am niedrigsten.
- Zweites Drittel: die Übergangsphase, in der Würze und Süße meist am deutlichsten sind.
- Letztes Drittel: Erde, Leder, Pfeffer; deutlich wärmer und konzentrierter.
- Ab etwa zwei Fingerbreit Rest: der Punkt, an dem viele die Zigarre ablegen.
Wann Bitterkeit dazwischenkommt
Wird das letzte Drittel bitter statt kräftig, ist fast immer das Tempo schuld: Kondensat und Hitze summieren sich, und ein zu schneller Zug beschleunigt beides. Eine Pause von zwei Minuten kühlt den Strang messbar und bringt oft den Geschmack zurück.
Häufige Fragen
Muss man eine Zigarre zu Ende rauchen?
Nein. Viele legen sie ab, sobald das letzte Drittel unangenehm warm wird, und das ist eine völlig übliche Entscheidung — die Zigarre hat dann bereits das gezeigt, was der Blend zu bieten hat.
Warum schmeckt das erste Drittel manchmal fad?
Weil in dieser Phase das Deckblatt dominiert und das kräftige Ligero in der Einlage noch nicht mitbrennt. Ein sehr milder Beginn ist bei vielen Blends beabsichtigt und kein Hinweis auf einen Fehler.
Verändert sich der Verlauf bei kurzen Formaten?
Ja, deutlich: Bei einer Petit Corona liegen die drei Phasen so dicht beieinander, dass der Übergang kaum auffällt. Lange Formate wie Churchill oder Doble Corona zeigen den Verlauf am klarsten.