Bitterkeit ist die häufigste Beschwerde über eine Zigarre und die am leichtesten zu behebende — vorausgesetzt, man findet heraus, welche der vier Ursachen vorliegt.
Kurz gefasst
- Häufigste Ursache
- Zugtempo unter 30 Sekunden
- Empfohlener Zugabstand
- etwa 60 Sekunden
- Zu feucht ab
- etwa 75 % relativer Luftfeuchte
- Abkühlpause
- 2 Minuten senken die Temperatur spürbar
Ursache 1: zu schnell gezogen
Jeder Zug führt der Glut Sauerstoff zu. Wer alle zwanzig Sekunden zieht, hält die Brennzone dauerhaft auf einer Temperatur, bei der Verbindungen entstehen, die als bitter und scharf wahrgenommen werden.
Die Korrektur ist unspektakulär und wirkt sofort: ein Zug etwa jede Minute, zwei Minuten Pause, wenn die Zigarre bereits heiß gelaufen ist. Mehr braucht es in den meisten Fällen nicht.
Ursache 2: zu feucht gelagert
Eine Zigarre über etwa fünfundsiebzig Prozent relativer Luftfeuchte enthält so viel Wasser, dass der Tabak nicht sauber verbrennt, sondern teilweise schwelt. Das Ergebnis ist ein schwerer Zug, viel Kondensat und ein bitterer Nachgeschmack.
Zwei bis vier Wochen bei achtundsechzig bis siebzig Prozent bringen die Zigarre zurück. Schnelltrocknen an der Luft ist keine Abkürzung — das Deckblatt reißt dabei zuverlässiger, als der Geschmack besser wird.
Ursache 3: zu tief angeschnitten
Wird unterhalb der Schulter geschnitten, verliert der Kopf seinen Halt und Teile des Umblatts lösen sich in den Mund. Das schmeckt bitter und wird mit jedem Zug schlimmer, weil sich mehr Material löst.
Der Schnitt gehört ein bis zwei Millimeter oberhalb der Schulter. Repariert werden kann ein zu tiefer Schnitt nicht, aber er lässt sich beim nächsten Mal vermeiden.
- Anschnitt oberhalb der Schulter, nicht mitten in den Kopf.
- Guillotine in einer Bewegung, nicht sägend.
- Bei Figurados weniger abnehmen als man denkt.
- Cutter scharf halten — ein stumpfes Blatt quetscht statt zu schneiden.
Ursache 4: das letzte Drittel
Wenn nur die letzten zwei bis drei Zentimeter bitter werden, ist das kein Fehler, sondern die Bauart: Kondensat aus dem gesamten bisherigen Verlauf hat sich im verbleibenden Strang gesammelt und verbrennt nun mit. An diesem Punkt legt man die Zigarre ab.
Häufige Fragen
Kann man eine bitter gewordene Zigarre retten?
Wenn die Ursache Hitze ist, ja: Zwei Minuten Pause lassen den Strang abkühlen, und der Geschmack kommt in vielen Fällen zurück. Liegt es an zu tiefem Anschnitt oder an zu hoher Feuchte, hilft während des Rauchens nichts mehr.
Ist Schärfe dasselbe wie Bitterkeit?
Nein. Schärfe im Rachen kommt meist vom Ligero-Anteil einer kräftigen Zigarre und ist beabsichtigt, während Bitterkeit auf zu hohe Temperatur, zu viel Feuchte oder einen Fehler beim Anschnitt hinweist.
Wie erkenne ich, ob die Zigarre zu feucht ist?
Sie fühlt sich weich und schwammig an, der Zug ist schwer, das Deckblatt zeigt beim Anzünden Bläschen und der Abbrand läuft schief. Ein Blick auf das Hygrometer bestätigt es meist innerhalb weniger Sekunden.