Zwischen dem geernteten Blatt und dem Tabak, aus dem eine Zigarre gerollt wird, liegen Monate bis Jahre — und ein Prozess, der eher an eine Kompostierung unter Kontrolle erinnert als an eine Veredelung.
Kurz gefasst
- Stapeltemperatur
- 40–55 °C
- Dauer je Durchgang
- Wochen bis Monate
- Durchgänge
- 1–3, je nach Blattlage
- Abgebaut werden
- Ammoniak, Nitrate, Harze
Vor der Fermentation: die Trocknung
Nach der Ernte werden die Blätter in Scheunen aufgehängt, meist paarweise über Stangen. Über vier bis acht Wochen verlieren sie Wasser und wechseln von Grün über Gelb zu Braun, während das Chlorophyll abgebaut wird.
Die Trocknungsart unterscheidet die Herkunftsländer grundlegend: Kubanischer und mittelamerikanischer Zigarrentabak wird luftgetrocknet, italienischer Kentucky-Tabak über Holzfeuer getrocknet, was einen völlig anderen Charakter erzeugt.
Der Stapel
Zur Fermentation werden die getrockneten Blätter zu großen Stapeln geschichtet, auf Kuba *pilón* genannt. Durch Eigenfeuchte und Gewicht setzt eine mikrobielle und enzymatische Aktivität ein, bei der die Temperatur im Inneren auf 40 bis 55 °C steigt.
Diese Wärme ist der Prozess. Sie baut Ammoniak, Nitrate und Harze ab — die Stoffe, die frischen Tabak scharf und unrauchbar machen. Die Stapel werden regelmäßig umgesetzt, damit die äußeren Blätter nach innen kommen und die Temperatur nicht durchgeht: Über etwa 55 °C beginnt der Tabak Schaden zu nehmen.
Mehrere Durchgänge
Je nach Blattlage und vorgesehener Verwendung wird ein- bis dreimal fermentiert. Ligero mit seinem hohen Nikotin- und Harzgehalt braucht am längsten; Volado am kürzesten. Deckblätter werden besonders vorsichtig behandelt, weil sie ihre Optik behalten müssen.
Einzelne Häuser fügen weitere Schritte hinzu. Cohiba etwa fermentiert die Einlagen ein drittes Mal in Fässern — der Schritt, der die Marke innerhalb der kubanischen Produktion technisch unterscheidet.
Danach: Reifung
Nach der Fermentation wird der Tabak eingelagert, häufig ein bis fünf Jahre. Anders als die Fermentation ist die Reifung ein langsamer, kühler Vorgang, bei dem sich die verbliebenen Bestandteile weiter ausgleichen.
Auch die fertige Zigarre reift weiter — deshalb verändern sich eingelagerte Zigarren über Jahre, und deshalb ist eine stabile Lagerfeuchte kein Selbstzweck.
Häufige Fragen
Warum wird Tabak fermentiert?
Frisch getrockneter Tabak enthält Ammoniak, Nitrate und Harze und ist nicht rauchbar. In der Fermentation steigt die Temperatur im Blattstapel durch Eigenwärme auf 40 bis 55 °C, wodurch diese Stoffe abgebaut werden. Ohne diesen Schritt wäre der Rauch scharf und beißend.
Wie lange dauert die Fermentation von Zigarrentabak?
Je nach Blattlage Wochen bis Monate pro Durchgang, und der Vorgang wird ein- bis dreimal wiederholt. Ligero aus den obersten Lagen braucht am längsten, Volado aus den untersten am kürzesten. Anschließend folgt eine Reifung von oft ein bis fünf Jahren.
Was ist ein Pilón?
Ein Pilón ist der große Blattstapel, in dem Tabak fermentiert wird. Durch Eigenfeuchte und Gewicht entsteht im Inneren Wärme; die Stapel werden regelmäßig umgesetzt, damit die äußeren Blätter nach innen gelangen und die Temperatur nicht über etwa 55 °C steigt.