Fast jeder zweite Humidor wird zu klein gekauft, und zwar aus einem nachvollziehbaren Grund: Die Zahl auf der Verpackung meint etwas anderes als das, was tatsächlich hineinpasst.
Kurz gefasst
- Faustregel
- doppelter aktueller Bestand
- Herstellerangabe
- gilt für Coronas ohne Zellophan
- Realistischer Abschlag
- 30–40 %
- Sinnvolle Füllung
- 50–75 % des Volumens
Warum die Herstellerangabe nicht stimmt
Die Kapazitätsangabe eines Humidors wird rechnerisch ermittelt: Volumen geteilt durch das Volumen einer Corona, dicht an dicht gelegt, ohne Zellophan, ohne Kisten, ohne Befeuchter und ohne Hygrometer.
In der Praxis liegen Zigarren in unterschiedlichen Formaten, viele mit Zellophan, manche in ihren Kisten, und Befeuchter und Hygrometer nehmen Platz weg. Dreißig bis vierzig Prozent Abschlag auf die genannte Zahl sind realistisch — bei Toros und Gordos eher mehr.
Warum zu voll ein echtes Problem ist
Ein randvoller Humidor hat zwei Nachteile, die beide erst nach Wochen auffallen. Erstens zirkuliert die Luft nicht mehr: Zigarren in der Mitte bekommen weniger Feuchte ab als die außen, und die Unterschiede werden über Monate größer.
Zweitens lässt sich nichts mehr umschichten. Umschichten ist aber genau das, was einen gleichmäßigen Feuchtestand herstellt — wer nicht rotieren kann, lagert unterschiedlich feuchte Zigarren nebeneinander.
Warum zu leer auch nicht ideal ist
Tabak ist hygroskopisch und wirkt selbst als Feuchtepuffer. Ein Humidor mit drei Zigarren darin reagiert auf jedes Öffnen mit einem deutlichen Ausschlag, weil kaum Masse vorhanden ist, die den Verlust abfängt.
Fünfzig bis fünfundsiebzig Prozent Füllung sind das stabilste Fenster. Wer einen großen Humidor nur teilweise füllt, kann mit einer eingelegten Zedernkiste den nutzbaren Raum verkleinern.
- Bestand von 25 Zigarren: Humidor mit angegebener Kapazität ab etwa 75.
- Bestand von 50: angegebene Kapazität ab etwa 150.
- Wer Kisten ungeöffnet lagern will, rechnet mit dem Kistenmaß, nicht mit Stückzahlen.
- Ein zweiter kleiner Humidor als Griffbereich entlastet den großen vom häufigen Öffnen.
Der zweite Humidor ist oft die bessere Antwort
Wer den Bestand ohnehin aufteilt — Vorrat und Griffbereich — öffnet den großen Humidor nur alle paar Wochen. Das hält ihn stabiler als jede Aufrüstung des Befeuchters, weil das Öffnen der mit Abstand größte Feuchteverlust im Alltag ist.
Häufige Fragen
Wie viele Zigarren passen wirklich in einen 100er-Humidor?
Realistisch sind sechzig bis siebzig Zigarren in gemischten Formaten mit Zellophan. Die Angabe von hundert gilt für dicht gelegte Coronas ohne Zellophan und ohne den Platz für Befeuchter und Hygrometer.
Schadet es, den Humidor nur halb zu füllen?
Nein, halb gefüllt ist sogar günstig. Problematisch wird es erst, wenn nur wenige Zigarren darin liegen, weil dann kaum Tabakmasse vorhanden ist, die Feuchteschwankungen abpuffert.
Ist ein großer Humidor schwerer stabil zu halten?
Nicht grundsätzlich, er braucht nur einen entsprechend dimensionierten Befeuchter. Ein großer, gut gefüllter Humidor ist wegen der größeren Tabakmasse sogar träger und damit stabiler als ein kleiner.