Die Zahl auf dem Hygrometer ist die einzige Kennzahl, die über den Zustand einer eingelagerten Zigarre entscheidet — und sie wird häufiger falsch diskutiert als jede andere. Der Grund ist, dass „richtig“ vom Zeitraum abhängt: Für zwei Wochen ist ein weiter Bereich unkritisch, für zwei Jahre nicht.
Kurz gefasst
- Empfohlener Bereich
- 68–72 %
- Kurzzeitlagerung
- ab 65 % vertretbar
- Schimmelrisiko
- über 75 %
- Deckblattrisse
- unter 62 %
- Wassergehalt bei 70 %
- ca. 12–13 %
Warum 70 Prozent der übliche Zielwert ist
Tabak ist hygroskopisch: Er nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf und gibt sie wieder ab, bis ein Gleichgewicht erreicht ist. Bei 70 Prozent relativer Luftfeuchte pendelt sich der Wassergehalt des Blattes bei etwa 12 bis 13 Prozent ein — genau dem Wert, auf den die Manufaktur die Zigarre beim Verpacken eingestellt hat.
Dieser Wert ist kein Geschmacksurteil, sondern eine Materialkonstante. Er ist der Punkt, an dem das Deckblatt elastisch genug bleibt, um nicht zu reißen, und die Einlage trocken genug, um gleichmäßig zu verbrennen.
65 oder 72: was die Wahl tatsächlich verändert
Niedrigere Werte um 65 Prozent lassen eine Zigarre schneller und heißer abbrennen, weil weniger Wasser verdampft werden muss. Der Zug wird leichter. Für eine Zigarre, die innerhalb weniger Wochen geraucht wird, ist das unproblematisch.
Höhere Werte um 72 Prozent verlangsamen den Abbrand und erschweren den Zug, konservieren die Zigarre aber besser über Jahre. Wer einlagert, um reifen zu lassen, wählt deshalb das obere Ende — mit dem Preis, dass eine direkt entnommene Zigarre schwerer zieht.
- 65 % — Lagerung bis wenige Wochen, leichterer Zug, schnellerer Abbrand.
- 69 % — der gängigste Kompromiss und die verbreitetste Packungsgröße bei Zwei-Wege-Befeuchtern.
- 72 % — Langzeitlagerung und Reifung; Zigarren brauchen vor dem Rauchen etwas Zeit bei Raumluft.
Die Temperatur verschiebt den Messwert
Relative Luftfeuchte ist relativ zur Temperatur. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen, weshalb ein Temperaturanstieg bei gleichbleibendem Wassergehalt die relative Feuchte senkt. Ein Humidor, der im Winter bei 18 °C stabil auf 70 Prozent steht, kann im Sommer bei 26 °C deutlich darunter anzeigen, ohne dass Wasser verloren ging.
Deshalb gehört zu jeder Feuchteangabe eine Temperaturangabe. Die übliche Empfehlung von 16 bis 18 °C hat außerdem einen zweiten Grund: Ab etwa 24 °C werden die Larven des Tabakkäfers aktiv, die in nahezu jedem Naturtabak vorkommen können.
Schwankung ist schädlicher als ein falscher Zielwert
Eine konstante Lagerung bei 66 Prozent ist unproblematisch. Ein Wechsel zwischen 62 und 74 Prozent ist es nicht: Das Deckblatt reagiert schneller auf Feuchteänderungen als die Einlage, wodurch bei jedem Zyklus Spannungen zwischen den Schichten entstehen. Nach mehreren Zyklen reißt das Deckblatt längs, meist am Kopf.
Praktisch heißt das: Ein Humidor, der einmal pro Woche geöffnet wird und stabil bei 67 Prozent steht, konserviert besser als einer, der täglich geöffnet wird und im Mittel bei exakt 70 Prozent liegt.
Häufige Fragen
Welche Luftfeuchte ist für Zigarren richtig?
Der übliche Zielbereich liegt bei 68 bis 72 Prozent relativer Luftfeuchte, gemessen bei 16 bis 18 °C. In diesem Bereich enthält der Tabak etwa 12 bis 13 Prozent Wasser — den Wert, auf den die Manufaktur die Zigarre eingestellt hat.
Was passiert bei zu hoher Luftfeuchte?
Oberhalb von etwa 75 Prozent quillt die Einlage, der Zug wird schwer und der Abbrand ungleichmäßig. Zusätzlich steigt das Risiko von Schimmelbildung auf dem Deckblatt deutlich an. Schimmel ist im Gegensatz zu Plume nicht abwischbar und macht die Zigarre unbrauchbar.
Kann man eine ausgetrocknete Zigarre retten?
Eine leicht ausgetrocknete Zigarre lässt sich über Wochen langsam rehydrieren, indem man sie bei etwa 65 Prozent einlagert und die Feuchte anschließend schrittweise anhebt. Schnelles Befeuchten sprengt das Deckblatt. Ein bereits gerissenes Deckblatt ist nicht reversibel.
Wie oft sollte man den Humidor öffnen?
So selten wie möglich und so kurz wie nötig. Jedes Öffnen tauscht die konditionierte Luft gegen Raumluft aus, die in beheizten Räumen häufig unter 40 Prozent liegt. Der Befeuchter muss diesen Verlust anschließend ausgleichen, und genau diese Zyklen belasten das Deckblatt.