Zwischen dem Rolltisch und der Kiste liegen mehr Prüfschritte, als die meisten vermuten — und einer davon erklärt, warum Zigarren einer Kiste so ähnlich aussehen.
Kurz gefasst
- Zugprüfung
- Druckdifferenz am Prüfgerät
- Maßprüfung
- Länge, Ringmaß, Gewicht
- Farbklassen je Kiste
- oft mehrere Dutzend Abstufungen
- Häufigster Aussortiergrund
- Zugwiderstand außerhalb der Toleranz
Die Zugprüfung
Der Zugwiderstand wird maschinell gemessen: Ein Prüfgerät saugt mit definiertem Unterdruck durch die Zigarre und ermittelt die Druckdifferenz. Werte außerhalb eines festgelegten Fensters bedeuten Aussortierung.
Das ist die wichtigste Prüfung, weil sie die eine Eigenschaft betrifft, die sich nachträglich nicht mehr beheben lässt. Eine zu fest gerollte Zigarre bleibt zu fest, unabhängig davon, wie gut alles andere ist.
Maße und Gewicht
Länge und Ringmaß werden gegen die Formatvorgabe geprüft, das Gewicht gegen einen Sollwert. Ein zu leichtes Exemplar deutet auf zu wenig Einlage hin und brennt später zu schnell; ein zu schweres auf zu dichte Packung.
Diese Prüfungen sind schnell und fangen die groben Abweichungen ab, bevor die aufwendigere Sichtprüfung beginnt.
Sichtprüfung und Farbsortierung
Die Sichtprüfung betrifft das Deckblatt: Risse, grobe Nervatur, Flecken, ungleichmäßiger Kopfabschluss. Anschließend werden die Zigarren nach Deckblattfarbe sortiert.
- Farbabstufungen werden bei Tageslicht beurteilt, teils in mehreren Dutzend Klassen.
- Eine Kiste wird aus einer Klasse belegt — daher der einheitliche Eindruck beim Öffnen.
- Innerhalb der Kiste wird von dunkel nach hell gelegt, üblicherweise links nach rechts.
- Farbe ist dabei eine Sortier-, keine Güteklasse: dunkler heißt nicht besser.
Ruhe vor dem Verpacken
Geprüfte Zigarren gehen in Ruheräume, in denen sich die Feuchte zwischen Deckblatt, Umblatt und Einlage angleicht. Erst danach wird verpackt. Diese Wochen sind der Grund, warum eine frisch gekaufte Kiste nicht roh schmeckt, obwohl sie erst kurz zuvor gerollt wurde.
Häufige Fragen
Wird jede Zigarre einzeln geprüft?
Maße, Gewicht und Sichtprüfung erfolgen bei handgefertigten Zigarren in der Regel je Stück, die Zugprüfung je nach Haus vollständig oder stichprobenartig. Die Farbsortierung betrifft ohnehin jede einzelne Zigarre.
Warum sehen Zigarren in einer Kiste so gleich aus?
Weil sie nach Deckblattfarbe in teils mehreren Dutzend Abstufungen sortiert und aus einer Klasse zusammengelegt werden. Das ist eine optische Sortierung und kein Hinweis auf unterschiedliche Güte.
Was passiert mit aussortierten Zigarren?
Je nach Grund und Haus werden sie als zweite Wahl vermarktet, im Werksverkauf abgegeben oder vernichtet. Zigarren mit abweichendem Zugwiderstand gelangen üblicherweise nicht in den regulären Handel.