Der Retrohale ist die einzige Technik, die den wahrgenommenen Aromenumfang einer Zigarre sofort und deutlich vergrößert — und die einzige, die man in dreißig Sekunden lernen kann.
Kurz gefasst
- Empfohlene Häufigkeit
- 1–2 pro Drittel
- Anteil des Rauchs
- etwa ein Drittel des Zuges
- Wirkung
- Würze und Süße treten hervor
- Nicht geeignet bei
- gereiztem Rachen, Erkältung
Warum die Nase mehr schmeckt als die Zunge
Die Zunge unterscheidet süß, salzig, sauer, bitter und umami — fünf Qualitäten. Alles, was darüber hinaus als „Geschmack" beschrieben wird, ist tatsächlich Geruch, wahrgenommen über den Riechkolben. Rauch, der nur im Mund bleibt, erreicht diesen Weg kaum.
Der Retrohale schließt genau diese Lücke. Deshalb verändert er die Wahrnehmung einer Zigarre nicht graduell, sondern sprunghaft: Pfeffer, Zimt, Kakao und Zedernholz treten häufig erst dabei überhaupt auf.
Die Technik, Schritt für Schritt
Wichtig ist, dass nichts inhaliert wird. Der Rauch bleibt im Mundraum und wird von dort nach oben in den Nasenrachenraum geschoben, nicht in die Lunge gezogen.
- Einen normalen Zug nehmen und den Rauch im Mund halten.
- Den Mund schließen und die Zunge leicht anheben.
- Etwa ein Drittel des Rauchs sehr langsam durch die Nase ausatmen.
- Den Rest wie gewohnt durch den Mund abgeben.
- Beim ersten Versuch bewusst wenig Rauch nehmen — die Menge ist der häufigste Fehler.
Wenn es brennt
Ein leichtes Kribbeln ist bei kräftigen Zigarren normal und lässt nach wenigen Versuchen nach. Ein echtes Brennen bedeutet fast immer, dass zu viel Rauch auf einmal geschoben wurde oder dass die Zigarre zu heiß gezogen wird — beides ist eine Frage der Dosierung, nicht der Gewöhnung.
Bei einer überhitzten Zigarre hilft kein Retrohale, sondern eine Pause: zwei Minuten liegen lassen, dann wieder mit ruhigem Tempo weiterrauchen.
Womit man anfängt
Milde bis mittelkräftige Zigarren mit einem hellen Deckblatt sind die freundlichsten Kandidaten für die ersten Versuche. Eine kräftige Nicaraguanerin mit hohem Ligero-Anteil ist es nicht — dort ist die Pfeffernote im Retrohale so dominant, dass der Rest untergeht.
Häufige Fragen
Ist der Retrohale dasselbe wie Inhalieren?
Nein, und der Unterschied ist wesentlich: Beim Retrohale bleibt der Rauch oberhalb des Kehlkopfs und wird durch die Nase abgegeben, während beim Inhalieren Rauch in die Lunge gezogen wird. Zigarrenrauch wird nicht inhaliert.
Wie oft sollte man den Retrohale einsetzen?
Ein bis zwei Mal pro Drittel reichen völlig aus, um die Entwicklung der Zigarre mitzubekommen. Häufiger eingesetzt reizt er die Nasenschleimhaut, ohne dass zusätzliche Aromen dazukommen.
Warum schmecke ich beim Retrohale plötzlich Pfeffer?
Die Schärfe stammt überwiegend aus Ligero-Blättern in der Einlage und wird über den Nasenweg viel deutlicher wahrgenommen als über den Mund. Bei kräftigen Zigarren ist das erwartbar und kein Zeichen eines Fehlers.