Kaum eine Produktangabe wird so häufig missverstanden. „Mild“ wird als „schwach im Geschmack“ gelesen und „kräftig“ als „aromatisch“ — beides trifft nicht zu. Die Stärkeskala misst eine körperliche Wirkung, und sie ist von der Aromenvielfalt weitgehend unabhängig.
Kurz gefasst
- Ligero
- oberste Blattlage, stärkste Wirkung
- Seco
- mittlere Lage, ausgleichend
- Volado
- unterste Lage, mildeste Wirkung
- Bestimmt durch
- Einlage, nicht Deckblattfarbe
Woher die Stärke kommt
Eine Tabakpflanze trägt Blätter in mehreren Lagen, und diese Lagen unterscheiden sich systematisch: Je höher ein Blatt sitzt, desto mehr Sonne bekommt es, desto dicker und öliger wird es und desto mehr Nikotin enthält es.
Die oberste Lage heißt Ligero, die mittlere Seco, die unterste Volado. Der Blender bestimmt die Stärke einer Zigarre im Wesentlichen darüber, in welchem Verhältnis er diese drei mischt. Ligero brennt zudem langsamer, weshalb ein hoher Ligero-Anteil zugleich den Abbrand verlangsamt.
- Ligero — oberste Lage, hoher Nikotingehalt, langsamer Abbrand, liegt im Kern der Einlage.
- Seco — mittlere Lage, ausgleichend, trägt einen Großteil der Aromen.
- Volado — unterste Lage, geringste Wirkung, wird vor allem wegen seines gleichmäßigen Brennverhaltens eingesetzt.
Warum die Deckblattfarbe wenig aussagt
Ein dunkles Maduro-Deckblatt wird häufig für ein Zeichen von Stärke gehalten. Die Farbe entsteht jedoch durch längere Fermentation bei höherer Temperatur, bei der Zucker karamellisiert — ein Prozess, der die Wahrnehmung süßlicher und die Textur weicher macht, nicht das Nikotin erhöht.
Da das Deckblatt außerdem nur einen kleinen Gewichtsanteil der Zigarre ausmacht, kann eine sehr dunkle Zigarre mild und eine sehr helle kräftig sein. Wer nach Stärke auswählt, liest die Angabe, nicht die Farbe.
Die Angabe ist nicht normiert
Es gibt keine gesetzliche oder branchenweite Definition von „mild“, „medium“ und „kräftig“. Jeder Hersteller ordnet seine eigenen Produkte innerhalb des eigenen Portfolios ein, und die Skalen sind zwischen Häusern nicht vergleichbar.
Eine als „medium“ ausgewiesene nicaraguanische Zigarre kann körperlich stärker wirken als eine als „kräftig“ bezeichnete dominikanische. Belastbarer als der Vergleich zweier Häuser ist der Vergleich innerhalb eines Hauses.
Der zweite Faktor: Format
Dasselbe Blend wirkt in einem größeren Format stärker, weil pro Zug mehr Tabak verbrennt und die Rauchdauer länger ist. Wer eine kräftige Mischung ausprobieren will, tut das deshalb sinnvoller in einer Petit Corona als in einer Gordo.
Häufige Fragen
Was bedeutet mild, medium und kräftig bei Zigarren?
Die Angabe beschreibt die körperliche Wirkung des Nikotins, nicht die Geschmacksintensität. Sie folgt vor allem dem Verhältnis der Blattlagen in der Einlage: viel Ligero aus den oberen Lagen ergibt eine kräftige, viel Volado aus den unteren eine milde Zigarre.
Sind dunkle Zigarren stärker als helle?
Nein, das ist ein verbreiteter Irrtum. Die dunkle Farbe eines Maduro-Deckblatts entsteht durch längere Fermentation bei höherer Temperatur, bei der Zucker karamellisiert. Da das Deckblatt nur einen kleinen Gewichtsanteil ausmacht, kann eine dunkle Zigarre mild und eine helle kräftig sein.
Sind Stärkeangaben zwischen Marken vergleichbar?
Nur eingeschränkt. Es gibt keine normierte Definition; jeder Hersteller ordnet seine Produkte innerhalb des eigenen Portfolios ein. Der Vergleich zweier Zigarren desselben Hauses ist deshalb belastbar, der Vergleich zwischen Häusern nur ein grober Anhaltspunkt.