Magazin Geschmack & Aroma

Verkostungsnotizen führen: was aufschreiben und was weglassen

Brauchbare Verkostungsnotizen halten fünf Dinge fest: Format und Datum, Lagerdauer, drei Aromenbegriffe je Drittel, das Zugverhalten und ein Urteil in einem Satz. Alles darüber hinaus wird selten nachgelesen. Entscheidend ist, während des Rauchens zu notieren, nicht danach — die Erinnerung glättet den Verlauf.

Wer Notizen führt, erinnert sich nach einem Jahr an eine Zigarre; wer keine führt, erinnert sich an ein Gefühl. Der Unterschied entsteht in den fünf Minuten, die das Notieren kostet.

Kurz gefasst

Empfohlener Umfang
5 Felder, ca. 60 Wörter
Aromenbegriffe
3 pro Drittel, nicht mehr
Zeitpunkt
während des Rauchens
Nutzen sichtbar ab
etwa 15–20 Einträgen

Die fünf Felder

Ein Notizschema, das mehr als fünf Felder hat, wird nach dem dritten Mal nicht mehr ausgefüllt. Diese fünf reichen, um eine Zigarre später wiederzuerkennen und eine Kaufentscheidung darauf zu stützen.

  • Marke, Format, Datum — ohne das Datum ist der Rest wertlos.
  • Lagerdauer und Luftfeuchte, unter der sie lag.
  • Drei Aromenbegriffe je Drittel, notiert während des Rauchens.
  • Zugverhalten und Abbrand: leicht, mittel, schwer; gerade oder korrekturbedürftig.
  • Ein Satz: Würde ich sie wieder kaufen, und wozu passt sie.

Warum während und nicht danach

Die Erinnerung an eine Zigarre gleicht sich nach dem Rauchen sehr schnell zu einem Gesamteindruck an — meist dominiert dabei das letzte Drittel, weil es am kürzesten zurückliegt. Der Verlauf, also das eigentlich Interessante, geht dabei verloren.

Notizen während des Rauchens sind unordentlicher und ungleich nützlicher. Drei Stichworte pro Drittel genügen; ganze Sätze schreibt man später, wenn überhaupt.

Was man weglassen kann

Punktzahlen bringen wenig, solange man nicht regelmäßig blind verkostet: Sie schwanken mit der Tagesform stärker als mit der Zigarre. Auch minutengenaue Zeitangaben je Drittel sind selten hilfreich — die Rauchdauer insgesamt reicht.

Weglassen kann man ebenso die Preisangabe. Sie steht in der Rechnung, ändert sich über die Zeit und beeinflusst das Urteil beim späteren Nachlesen stärker, als sie sollte.

Wann sich das auszahlt

Der Nutzen wird nach etwa fünfzehn bis zwanzig Einträgen sichtbar. Ab da erkennt man Muster: dass einem Blends mit einem bestimmten Deckblatt regelmäßig zusagen, dass kurze Formate am Vormittag besser funktionieren, dass eine Marke bei längerer Lagerung deutlich gewinnt.

Häufige Fragen

Papier oder App?

Beides funktioniert, solange die Notiz während des Rauchens entsteht. Papier hat den Vorteil, dass man nicht beim Tippen den Faden verliert; eine App den, dass sich nach zwanzig Einträgen leichter suchen und vergleichen lässt.

Wie viele Aromenbegriffe sind sinnvoll?

Drei pro Drittel sind ein guter Richtwert. Wer zehn notiert, notiert überwiegend Begriffe, die er zuletzt gelesen hat, und nicht das, was er tatsächlich wahrgenommen hat.

Soll man Punkte vergeben?

Für den eigenen Gebrauch bringt eine Punktzahl wenig, weil sie stärker von der Tagesform abhängt als von der Zigarre. Ein Satz dazu, ob und wozu man sie wieder kaufen würde, ist beim späteren Nachlesen deutlich nützlicher.

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