Magazin Technik & Ritual

Zigarrenetikette: was in Gesellschaft gilt

Die wenigen Regeln, die sich gehalten haben, sind praktisch begründet: nicht am Deckblatt riechen, das anderen gehört, keine fremde Zigarre anfassen, Feuer anbieten statt aufdrängen, nicht in geschlossenen Räumen ohne Zustimmung rauchen und die Zigarre nicht durchreichen. Alles andere ist Erfindung des zwanzigsten Jahrhunderts.

Zigarrenetikette hat den Ruf, kompliziert zu sein. Tatsächlich lässt sie sich auf eine Handvoll Punkte zusammenfassen, und jeder davon hat einen nachvollziehbaren Grund.

Kurz gefasst

Grundregel
nicht in geschlossenen Räumen ohne Zustimmung
Fremde Zigarre
nicht anfassen, nicht daran riechen
Feuer
anbieten, nicht aufdrängen
Bauchbinde
freie Entscheidung, keine Regel

Die Regeln mit praktischem Grund

Was sich gehalten hat, sind Regeln, die einen Schaden verhindern — nicht solche, die Zugehörigkeit signalisieren.

  • Nicht in geschlossenen Räumen rauchen, ohne dass alle Anwesenden zugestimmt haben.
  • Eine fremde Zigarre nicht anfassen: Handfett und Druck schaden dem Deckblatt.
  • Nicht an der Zigarre eines anderen riechen, solange sie in dessen Hand ist.
  • Feuer anbieten, aber nicht selbst anzünden — das Anzünden gehört dem Rauchenden.
  • Eine Zigarre wird nicht geteilt und nicht durchgereicht.
  • Asche in den eigenen Aschenbecher, nicht in ein Glas oder auf den Boden.

Warum Feuer angeboten und nicht gegeben wird

Das Anzünden bestimmt, wie die Zigarre die nächste Stunde brennt: Ein ungleichmäßig gezündeter Fuß holt selten auf. Deshalb ist es keine Höflichkeit, jemandem die Zigarre anzuzünden, sondern ein Eingriff in dessen Rauchgang.

Das Feuerzeug hinüberzuschieben ist die angemessene Geste. Wer ausdrücklich darum bittet, angezündet zu werden, bekommt es natürlich — die Regel ist keine Vorschrift, sondern eine Voreinstellung.

Was keine Regel ist

Ob die Bauchbinde abgenommen wird, wann sie abgenommen wird und ob eine Zigarre zwischen den Fingern oder den Lippen gehalten wird, ist Geschmackssache. Es gibt dazu Traditionen — die englische Schule nimmt die Binde vor dem Anzünden ab, die spanische lässt sie dran — aber keine davon ist verbindlich.

Ebenso wenig gibt es eine Regel gegen das Ablegen einer halb gerauchten Zigarre. Wer nicht weiterrauchen möchte, legt sie hin; das ist weder Verschwendung noch ein Signal.

Rücksicht ist die eigentliche Regel

Der Rest folgt aus einem Satz: Zigarrenrauch ist intensiv, hält sich lange in Textilien und ist nicht jedermanns Sache. Wer das mitdenkt, macht auch ohne Regelkatalog nichts falsch.

Häufige Fragen

Darf man die Bauchbinde dranlassen?

Ja, das ist reine Geschmackssache und keine Etikettefrage. Praktisch spricht dafür, sie erst nach einigen Minuten abzunehmen, weil der Klebstoff dann durch die Wärme nachgibt und das Deckblatt nicht mitreißt.

Ist es unhöflich, jemandem die Zigarre anzuzünden?

Es gilt als Eingriff, weil das Anzünden über den gesamten weiteren Abbrand entscheidet. Üblich ist, das Feuerzeug anzubieten und das Anzünden dem Rauchenden zu überlassen.

Kann man sich eine Zigarre teilen?

Nein, eine Zigarre wird nicht geteilt und nicht durchgereicht. Wer eine kürzere Rauchzeit möchte, greift zu einem kleineren Format statt eine Zigarre zu zweit zu rauchen.

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