Die Luftfeuchte bekommt alle Aufmerksamkeit, die Temperatur fast keine — dabei ist sie die Größe, an der ein Bestand tatsächlich verloren geht.
Kurz gefasst
- Zielbereich
- 16–20 °C
- Kritische Grenze
- ab ca. 23 °C schlüpft der Tabakkäfer
- Unterhalb
- unter 15 °C verlangsamt sich die Reifung
- Aufstellort
- nicht an Fenster, Heizung oder Außenwand
Die Grenze ist biologisch, nicht ästhetisch
Lasioderma serricorne, der Tabakkäfer, legt Eier im Tabak ab. Bei niedrigen Temperaturen bleiben sie inaktiv; ab etwa dreiundzwanzig Grad beginnt die Entwicklung, und eine geschlüpfte Larve frisst sich durch die Zigarre und weiter durch die Nachbarn.
Deshalb ist die Temperaturobergrenze keine Frage von Geschmack, sondern von Bestandssicherung. Ein Humidor, der im Sommer regelmäßig fünfundzwanzig Grad erreicht, ist ein Risiko — unabhängig davon, wie gut die Feuchte eingestellt ist.
Warum warm auch feuchter bedeutet
Ein Hygrometer misst relative Luftfeuchte, also den Anteil am maximal Möglichen bei dieser Temperatur. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen, also steckt bei siebzig Prozent und fünfundzwanzig Grad absolut mehr Wasser in der Luft als bei siebzig Prozent und siebzehn Grad.
Praktisch heißt das: Derselbe angezeigte Wert bedeutet im Sommer eine feuchtere Zigarre als im Winter. Wer im Sommer schwer ziehende Zigarren hat, obwohl das Hygrometer unverändert steht, hat genau diesen Effekt vor sich.
Der Aufstellort entscheidet fast alles
Ein Humidor lässt sich nicht heizen oder kühlen, ohne Aufwand zu betreiben. Die wirksamste Maßnahme ist deshalb, ihn dorthin zu stellen, wo die Temperatur ohnehin stabil ist.
- Nicht in direkte Sonne, auch nicht kurzzeitig — Glasflächen heizen sehr schnell auf.
- Nicht auf oder neben eine Heizung, nicht über einem Kamin.
- Nicht an eine ungedämmte Außenwand und nicht ins Dachgeschoss.
- Ein Innenraum im Erdgeschoss oder ein Kellerraum ist meist der stabilste Ort.
- Im Hochsommer lieber ein kühlerer Raum als eine Klimaanlage, die nachts abschaltet.
Wenn es doch einmal zu warm war
Ein einzelner heißer Tag ist kein Grund zur Sorge, eine Woche über fünfundzwanzig Grad schon. Dann lohnt sich eine Sichtkontrolle auf kleine Löcher und Tabakmehl. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann verdächtige Ware kontrolliert einfrieren — das Vorgehen dazu steht im Artikel über den Tabakkäfer.
Häufige Fragen
Welche Temperatur ist im Humidor richtig?
Sechzehn bis zwanzig Grad sind der übliche Zielbereich. Wichtiger als der genaue Wert ist, dauerhaft unter dreiundzwanzig Grad zu bleiben, weil sich darüber Tabakkäferlarven entwickeln können.
Gehört ein Humidor in den Kühlschrank?
Nein. Ein Kühlschrank ist zu kalt und vor allem zu trocken, weil er der Luft laufend Feuchtigkeit entzieht; Zigarren trocknen dort aus und nehmen zudem Gerüche an.
Warum ziehen meine Zigarren im Sommer schwerer?
Weil warme Luft bei gleichem Hygrometerwert absolut mehr Wasser enthält, sodass die Zigarren tatsächlich feuchter sind als im Winter. Ein bis zwei Prozentpunkte niedriger einzustellen gleicht das im Sommer aus.